Die ersten Tage oder: Brauche ich eine Kevlar-Weste?

Moin(?)! Ich bin neu hier! Ich bin kein Großstädter, ich bin kein Norddeutscher. Aber jetzt lebe ich in Hamburg. Und über meine Erfahrungen in der fremden Hansestadt schreibe ich ab sofort auf WGIHH. Willkommen zu meinem ganz persönlichen Beginner-Blog.

Mein Plan war folgender: Nach einem Jahr Studium in einer grauen Stadt im Norden Schottlands wollte ich nach Deutschland zurückkommen. Die Rückkehr sollte glamourös und farbenfroh werden, ein Wiedersehen im Spätsommer. Sonne tanken am Elbstrand, Eis schlecken an der Alster und Bierchen trinken in der Schanze. Doch leider war das Wetter geprägt von Tiefdruckgebieten, die sich über Atlantik und Nordsee in den Hamburger Luftraum geschoben haben. Der erhoffte goldene Spätsommer in Hamburg wurde deshalb zu einem grauen und verregnten „Frühherbst“. So kam ich sozusagen von einer grauen Stadt in die nächste. Aberdeen und Hamburg sollten mal über eine Städtepartnerschaft nachdenken – zumindest an verregneten Tagen passt das.

Doch ich ließ mir meine ersten Tage in Hamburg nicht verdrießen und versuchte zunächst, die schöne schottische Tradition des „sich-grüßen-wenn-man-sich-auf-der-Straße-begegnet“ auch in Hamburg einzuführen. Ich hatte allerdings nicht mit der ausgeprägten Hamburger Unlust zur öffentlichen Kommunikation gerechnet: Ich erntete lauter verständnislose Blicke. Eine Ausnahme bildeten und bilden allerdings Hamburger mit afrikanischen Wurzeln. Sie erwiderten den Gruß oft mit einem Lächeln, ganz so wie ich das von afrikanischen Freunden in Schottland gewohnt bin.

Es gibt natürlich auch unter original Hanseaten Ausnahmen, was die Verschwiegenheit auf der Straße angeht. Nur leider sind das dann offenbar genau die Leute, deren Storys man eigentlich nicht hören möchte. So fuhr ich morgens mit dem Bus Richtung Innenstadt. Schon an der Haltestelle erzählte mir ein alkoholisierter Mann, dass er hier an der Ecke wohne und heute schon fünfmal den Bus in die falsche Richtung genommen habe. Es war 8:30 Uhr. Im Bus angekommen setzte sich eine Dame gehoben Alters (88 Jahre) neben mich und begann mir von der Blasenentzündung ihrer Nichte und dem Fehlverhalten ihrer ach so missratenen Schwester zu berichten.

Doch genug gemeckert. Für eins muss ich der Stadt Hamburg schonmal ein großes Lob aussprechen: Ich liebe jetzt schon, wie multikulturell Hamburg ist. Auf dem Weg zum Intercity gen Süden, stieg an einer Bushaltestelle in Hamburgs Norden eine Traube unterschiedlichster Menschen zu. Frauen im Schleier, jüdische Geistliche, aufgetakelte Tussen, türkische Familien und elegante Business-People. Die Mischung der von ihnen in den Bus getragenen Gerüche, von lieblichem Parfum bis hin zur klischeebehafteten Knoblauchfahne war alles dabei, werde ich so schnell nicht vergessen.

Hamburg scheint ein großartiges, entspanntes Pflaster zu sein und ich freue mich schon jetzt auf meine Zeit hier im Norden. Ach ja, und eins habe ich mir direkt angewöhnt: Egal wohin man geht, Regenschirm mitnehmen!

P.S.: In der ersten Woche habe ich täglich von abgestochenen Menschen gehört. Braucht man hier ne Kevlar-Weste wenn man raus geht?

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