HSV: Auswärts mit dem Mittelmaß

So sieht der Auswärtsfan die BayArena.

Unser HSV-Experte hat sich nochmal getraut und ein Spiel „seiner“ Hamburger live im Stadion mitverfolgt. Ergebnis: Ein Punkt beim Favoriten in Leverkusen nach einem überraschend ambitionierten Spiel. Ein Stimmungsbericht mit Video. Von Joschka Frech

Saison für Saison trete ich meine Reise in die BayArena zu Leverkusen an, wenn dort mal wieder der HSV zu Gast ist.Ein Pflichttermin also, aber nach den Leistungen der jüngsten Vergangenheit überwog dieses Mal eher die Lust am Stadionbesuch an sich, als am sportlichen Teil der Veranstaltung.

Umso lieber ließ ich mich dann früh eines Besseren belehren: Kaum war ein Platz im gut gefüllten Gästeblock gefunden, fiel nach Freistoßflanke Denis Aogos auch schon das 1:0 durch Kapitän Heiko Westermann. Wie dieses Tor genau zustande kam wurde mir aber erst beim abendlichen Sportschau-Studium bewusst, aus dem Block heraus war nicht viel zu sehen. Gefeiert wurde natürlich trotzdem.

Schien die Stimmung zu Beginn oder vor dem Spiel noch ein bisschen gedämpft, kam der Gästeanhang nun schnell in Bewegung. Zwar waren auch Gesänge zu vernehmen, die zynisch angehaucht von einer Europapokalteilnahme oder gar der Deutschen Meisterschaft handelten, zum größten Teil spiegelte sich in den Anfeuerungsrufen aber eine große Erleichterung wieder. Und das obwohl sich die Herren in (rot-)weiß schnell wieder in ihre Hälfte zurückdrängen ließen, wie man das nach Führungen in dieser Saison auch gewohnt war.

In der Pause schien der Optimismus unter den mitgereisten Hamburgern zu steigen, der unerwartete Zwischenstand machte die enttäuschenden letzten Wochen immerhin etwas vergessen. Dieser Zustand sollte sogar noch anhalten, als zehn Minuten nach Wiederanpfiff Bayers Mittelstürmer Stefan Kießling einen groben Stellungsfehler der Hamburger Hintermannschaft nutzte und den Ball auf Vorlage Arturo Vidals ins Tor stolperte. Die Mannschaft ließ sich von dem Rückschlag allerdings keinesfalls entmutigen und schaffte es spätestens ab der 75. Minute, dem aufkommenden Druck der Leverkusener einen starken Konterfußball entgegen zu setzen.

Dieser Kampfeinsatz und Wille imponierte den HSV-Fans – und mir. Auch wenn die Konter meist nicht erfolgreich zu Ende gespielt wurden, ließ sich doch ein erster Schritt der Besserung bei den Rothosen ausmachen. Trainer Michael Oenning ließ eine sehr junge Elf ohne die ganz großen Namen auflaufen und diese Spieler zeigten, dass sie auch nächste Saison gerne noch mit der Raute auf der Brust auflaufen wollen.

Zum Schluss hatte  der eingewechselte Jonathan Pitroipa sogar noch zwei Riesen- Chancen, er scheiterte aber beide Male kläglich am Leverkusener Torhüter René Adler. Aus dem Gästeblock vernahm ich allerdings nur bei solchen Situationen das ein oder anderen Gepöbel, sonst schien die ungewohnte Leidenschaft der Spieler auch die Stimmung bei den Fans zu pushen: In der Schlussviertelstunde vernahm man im ganzen Arena-Rund im Dauergesang ein lautes „Hey, hey, hey hier kommt Hamburg! Mein Verein – nur der HSV!“ –  der neue Kultgesang der HSV-Fans, angelehnt an „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen.

Auch nach Abpfiff waren die mitgereisten HSV-Fans zufrieden mit der Vorstellung ihres Teams und feierten mit den Spielern den erkämpften Punkt. Intensiver mit Gesängen bedacht wurden am Ende der scheidende Keeper Frank Rost, der auch fleißig Geschenke (Handschuhe, Trikot) im Block verteilte und natürlich Collin Benjamin. Besonders hervorzuheben ist auch noch Änis Ben-Hatira, der nach seiner Einwechslung zuerst ein gutes Spiel ablieferte und danach als letzter Spieler die Kurve verließ, um mit den Fans zu feiern. Aufkommenden Gerüchten über einen möglichen Wechsel des 22-Jährigen zu Hertha BSC mag ich nach solchen Bildern keinen Glauben schenken.

Ich verließ das Stadion wie üblich mit fehlender Stimme und Muskelkater in den Armen; war aber dennoch guten (Über-)Mutes, aufgrund der Leistung „meines“ HSV. Damit hätte ich nicht gerechnet. Und da es gerade diejenigen Spieler waren, die auch in der nächsten Saison für den Verein auflaufen sollen, blickt man nach solch einem Spiel eben doch wieder etwas optimistischer in die Zukunft.

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