Und wieder ein Haar in der HSV-Suppe

Wenn es beim HSV sportlich mal wieder einigermaßen läuft, muss sich selbstverständlich eine neue Baustelle auftun. Gesagt getan – nach dem sportlichen Lichtblick durch das 1:1 gegen Tabellenführer Borussia Dortmund kommen finanzielle Hinterlassenschaften der Ära Hoffmann/ Kraus ans Licht. Von Joschka Frech

Es hätte ja so ein schönes Wochenende werden können für den gesamten HSV.

Die Europa-League scheint wieder drin zu sein, noch-Interimstrainer Michael Oenning hat als einer der wenigen Coaches der Bundesliga ein Mittel gegen die Überflieger aus Dortmund gefunden (hierzu empfehlenswert dieser taz-Artikel), David Jarolim feiert ein starkes Comeback und scheint wieder „unverzichtbar“. Und dann strahlt über all dem auch noch die Sonne. Aber Stopp!

Wir sind hier doch beim HSV – wo ist also das Haar in der Suppe?

Es findet sich beim wohl sagenumwobensten HSV-Thema der letzten Wochen und Monate: den Finanzen. Bei der Zepterübergabe von Hoffmann zu Jarchow klangen bereits erste Töne von Misswirtschaft oder Fehlkalkulation an. Und auch schon davor, als Hoffmann noch vehement versuchte Chef bleiben zu dürfen, ließ er Durchblicken, dass ein wirtschaften auf großem Fuße beim HSV in der nächsten Zeit wohl nicht mehr möglich sei – und das sogar noch ohne Aussicht auf die Europa-League und ihre Geldgeschenke.

Nun kommt also nach einem vermeintlich guten Wochenende heraus, dass der HSV in der nächsten Saison 14 Millionen Euro für ausstehende Transferzahlungen und Beratergehälter zur Verfügung stellen muss, ohne mit dergleichen Einnahmen zu rechnen. Es muss massiv am Kader gespart werden: Der Etat für Spielergehälter soll um ein Viertel von rund 47 Mio. Euro auf deutlich unter 30 Mio. Euro heruntergefahren werden.

Aber sind diese Entwicklungen wirklich so verwunderlich? Der HSV zahlt Gehälter auf Champions League-Niveau für Spieler, die diesem Anspruch augenscheinlich nicht genügen. Viele Jahre haben (propagierte) Einnahmen aus dem internationalen Geschäft (in erster Linie UEFA-Cup) und Verkäufe zu Rekord-Transfersummen (De Jong, Kompany + Co.) den Fan und auch die Medien von einem überragend wirtschaftenden Unternehmen – pardon – Fußballverein überzeugt.

Doch gab es nicht rund um den als kleine Schwester der glamourösen Champions-League (dem eigentlichen „Zielwettbewerb“ von Ex-Präsident Hoffmann) verspotteten UEFA-Cup nicht schon des öfteren kritische Stimmen. was die finanziellen Erträge angeht? Und hat der HSV nicht auch gerade in den letzten Jahren viel Geld durch Transfers von Spielern wie Albert Streit, David Rozhenal oder Marcus Berg regelrecht verbrannt?

Über lange Sicht hat Bernd Hoffmann den lahmenden, alten HSV zu einem der wirtschaftlich potentesten und auch sportlich attraktivsten Vereine Deutschlands gemacht. Auch in Europa weiß mittlerweile jeder über die Kicker von der Elbe bescheid. Aber in der letzten Zeit war der Ehrgeiz des personifizierten Wirtschaftswunders Hoffmann ungesund. Die Saison ohne Qualifikation für den europäischen Wettbewerb war endgültig der Anfang vom Ende seiner Ära. Schließlich blieb ihm nur noch die Flucht nach vorne, aber auch die Ankündigung des radikalen Umbruchs half nicht mehr. Dabei kam diese Idee ja anscheinend sogar aus fachmännischen (und sündhaft teuren) Berater-Kreisen (darüber lasse ich mich jetzt lieber nicht mehr aus).

Die neuen Leute an der Spitze des HSV müssen mit diesem Erbe nun sehr vorsichtig umgehen. Den angekündigten Umbruch sollten sie unter keinen Usmtänden ebenfalls nur als PR-Gag nutzen. Ich glaube, die meisten Fans könnten mit einer Radikalkur sogar gut leben – solange Jarchow und Konsorten weiter so transparent und kommunikativ der Anhängerschaft gegenüberstehen wie bisher.

Dann kann beim HSV irgendwann auch wieder Größeres reifen (ganz ohne unbändigen Ehrgeiz oder gar Übermut, versteht sich).

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter HSV-Blog, Sport

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s